Jena spielt gegen Erfurt. Traditionell ein Match mit viel Emotionen, ein Lokalderby fast. Die Fans beider Vereine schätzen sich gegenseitig gering, was bei manchen eher spaßig gemeint ist und dem gemeinsamen Besäufnis hinterher keinen Abbruch tut. Andere hingegen nehmen die Sache ernst, sehr ernst. Um Fußball geht es da nur noch als Anlass, das Stadion gerät zur Bühne für Selbstdarstellung und politische Hetze. So leider auch gestern. Diesmal ist der FC Carl Zeiss Jena zu Gast in Erfurt, die Stimmung kocht. Die angereisten Jena-Fans sind nicht gut drauf, die Spieler erst recht nicht, Erfurt gewinnt das Spiel. Doch das kann allenfalls eine Randnotiz wert sein angesichts des Skandals, der sich ereignet: Die heimischen Rot-Weiss-Erfurt-Fans, siegesgewiss und traditionell polemisch, heizen den Jenaern ein. Einigen ist das nicht genug, sie rufen “Juden Jena” und antisemitische Schmährufe. Je nach Darstellung Anwesender waren es einige Hundert oder nur eine Hand voll, die es beim Sieg auf dem Rasen nicht belassen wollten und von Siegen ganz anderer Art träumen. Durch die Stadionlautsprecher ertönt die Aufforderung, solche Hetze zu unterlassen, doch der Effekt bleibt aus. Jenas Geschäftsführer Andreas Wiese platzt schließlich der Kragen, er erstattet Anzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Die Vereinsgremien von RWE sind peinlich berührt, entschuldigen sich und geben sich ansonsten ratlos. Dem Verein droht schlimmstenfalls Punktabzug. Das dürfte den Teilnehmern an den antisemitischen Sprechchören reichlich egal sein. Denn es ist keineswegs ein Zufall, dass gerade in Erfurt sich rechtsextreme Vorfälle häufen. Ein linksgerichtetes Mädchen wird auf dem Heimweg, weit weg von ihrem Treffpunkt von stadtbekannten Rechtsextremen erkannt und krankenhausreif verprügelt. Ein Sportverein gründet sich und bildet in städtischen Sporthallen junge NPD-Kader in Kampftechniken aus. Als schließlich Politik und Medien aufmerksam werden und Maßnahmen fordern, teilt die Stadtverwaltung dem Verein eine neue Halle zu, in der ein Hausmeister aufpasst, ob nicht unerwünschte Reporter das Treiben beobachten. Unsere Stadt ist nazifrei! Beweisen Sie uns mal das Gegenteil. Nein, genaues Hinsehen unerwünscht.
Fans, die sich keiner wünschen kann
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http://jena-blog.de/17.08.2008/mimosenhafte-jenafans-machen-stadionpoebelei-zu-skandal/trackback/
Hier kannst du lesen, was ich von dem Zeug halte, das du da in die Welt setzt.
Der Drittligist Rot-Weiss-Erfurt ist für seine rassistischen „Juden Jena“-Rufe im Thüringenderby vom Deutschen Fußballbund hart bestraft worden. Das DFB-Sportgericht verhängte ein Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro. Obendrein muss Rot Weiss das nächste Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Den daraus resultierenden Gesamtschaden beziffert der Verein auf 80.000 Euro. Das Geld will sich der Klub nun von den Verursachern wiederholen und sucht deshalb verstärkt nach den etwa 50 Fans, die für die verbalen Attacken verantwortlich sind. Dafür werden jetzt die Fernsehbilder und Videoaufzeichnungen ausgewertet und Zeugen gesucht. Im Steigerwaldstadion will man zukünftig mit zusätzlichen Videokameras und zivilen Sicherheitstruppen ähnliche Ausschreitungen verhindern.
Denn bei erneuten Vorfällen dieser Art droht Rot-Weiss- Erfurt zusätzlich zur jetzigen Strafe auch ein Punktabzug.
Am 31. August treffen die 2. Mannschaften von Rot-Weiss- Erfurt und Carl Zeiss Jena in der Oberliga aufeinander.